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Auf dem richtigen Weg

Die Digitalisierung verfahrenstechnischer Anlagen schreitet zwar langsam voran, doch sie ist greifbarer denn je. Welche Hürden es noch gibt und welche gerade erfolgreich fallen, erklärt Dr. Rolf Birkhofer, Geschäftsführer von Endress+Hauser Digital Solutions.

27.01.2026 Text: Christine Böhringer Fotografie: Andreas Mader
Dr. Rolf Birkhofer (58) ist seit elf Jahren Geschäftsführer von Endress+Hauser Digital Solutions.

Vor fast 15 Jahren wurde die vierte industrielle Revolution ausgerufen. Heute ist es um den Begriff Industrie 4.0 still geworden – verfahrenstechnische Anlagen sind kaum digitalisiert.

Überrascht Sie das?

Nein, denn wir sehen hier den typischen Zyklus, den neue Technologien durchlaufen: Nach der ersten Phase der Euphorie kommt die Ernüchterung, weil die überzogenen Erwartungen sich nicht erfüllen und Hindernisse auftauchen. Dann beginnen Unternehmen, die Technologie besser zu verstehen und Anwendungen zu finden, die wirklichen Mehrwert bieten – die Technologie verbreitet sich. Bei der Industrie 4.0 sind wir also zeitlich noch gut im Rennen, auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt.

Wie viel der Strecke ist schon geschafft?

Aktuell wird der Nutzen der Digitalisierung immer deutlicher. Bei kleinen, dezentralen Anlagen liegt er besonders in der Fernüberwachung der Messstellen. Bei großen Anlagen mit hunderten oder tausenden Messgeräten konnten wir beweisen, dass sich das Management der installierten Basis rasch auszahlt. Etwa, weil Fehler schneller behoben oder Wartungseinsätze besser geplant werden können. In jedem Fall werden durch mehr Transparenz die Prozesse effizienter und sicherer, die Anlagenverfügbarkeit steigt. Die Industrie spart damit erhebliche Kosten und begegnet dem Fachkräftemangel.

Welche Hürden müssen für eine breite Digitalisierung noch überwunden werden?

In der Prozessindustrie geht Sicherheit vor Innovation. Zudem prägen hohe Investitionen, lange Lebenszyklen und viele Ausrüster die Anlagen. Ebenso hemmen fehlende Standards die Digitalisierung sowie die unzureichende Konvergenz von IT und OT, also das ausbaufähige Zusammenspiel von Informations- und Betriebstechnik. Es gibt zu viele Datensilos und zu wenig Interoperabilität und Integration. Hinzu kommt fehlendes Know-how: Neue Technologien sind nichts wert, wenn Mitarbeitende sie nicht anwenden können.

Dr. Rolf Birkhofer (58) ist seit elf Jahren Geschäftsführer von Endress+Hauser Digital Solutions.

„Digitalisierung ist ebenfalls ein Marathon, bei dem viele Hindernisse im Weg stehen und wir nur mit Ausdauer ans Ziel kommen.“

Dr. Rolf Birkhofer, seit elf Jahren Geschäftsführer von Endress+Hauser Digital Solutions

Langer Atem

Dr. Rolf Birkhofer (58) ist seit elf Jahren Geschäftsführer von Endress+Hauser Digital Solutions. Seit 25 Jahren kümmert sich das Product Center gruppenweit um Themen der Digitalisierung. Im Fokus stehen heute Anwendungen für die Industrie 4.0. Dazu zählt das IIoT Ökosystem Netilion, das in industriellen Anlagen für einfache Konnektivität sorgt und digitale Services über das Internet ermöglicht. Rolf Birkhofer ist promovierter Ingenieur für Elektrotechnik und begeisterter Geländemarathon Läufer. Die Erfahrungen dort helfen ihm im Beruf.

Wie unterstützt Endress+Hauser Kunden bei diesen Themen?

Wir sorgen dafür, dass die Prozess- und Gerätedaten unserer Sensoren nahtlos fließen und einfach genutzt werden können. Unsere Geräte können seit vielen Jahren über gängige Standards digital kommunizieren. Die Daten werden dann direkt per Ethernet oder Wireless-Technologie oder indirekt per Adapter und Edge Devices in die Cloud unseres IIoT-Ökosystems Netilion übertragen und dort mit dem Digitalen Zwilling des Geräts verknüpft. Auf dieser Plattform bieten wir unseren Kunden flexible und skalierbare Dienste. Mit diesen können sie Messwerte und den Gerätezustand überwachen, die Dokumente aller Geräte einer Anlage verwalten oder im Besonderen auch Bestände und Wassernetzwerke managen.

Lassen sich die Daten auch weiterverarbeiten?

Ja, über standardisierte Schnittstellen und offene Kommunikationsprotokolle lassen sich die Daten automatisiert abrufen und in beliebige Plattformen oder IT-Systeme integrieren. Mittlerweile können Kunden auch standardisierte Digitale Zwillinge aus unserer Cloud herunterladen. Netilion selbst ist als offenes IIoT-Ökosystem konzipiert, in das Geräte anderer Hersteller integriert werden können. Wir engagieren uns zudem in vielen Industriekonsortien, um durchgängige Datenketten und herstellerübergreifende Standards zu entwickeln. Nur damit wird eine intelligente, vernetzte Anlage möglich mit noch mehr Nutzen für alle Beteiligten.

Wo gibt es die größten Fortschritte in Sachen Digitalisierung?

Der Advanced Physical Layer bringt gerade sicheres Ethernet in die Ex-Zonen der großen Industrien und ist damit eine Basistechnologie, um die Möglichkeiten unserer intelligenten Messgeräte voll auszuschöpfen: Riesige Datenmengen können nun in Echtzeit direkt in die Cloud und IT-Systeme übertragen werden. Die Entwicklung der Technologie zeigt, was erfolgreiche Digitalisierung ausmacht: Es braucht Vernetzung und Kollaboration zwischen Markbegleitern, Wertschöpfungspartnern und Kunden, deren Bedürfnisse wir von Anfang an ganz in den Mittelpunkt gestellt haben. Inzwischen haben wir ein umfassendes Ethernet-APL-Portfolio. Alle Geräte sind auf Interoperabilität geprüft und leicht handhabbar; die Zahl der Bestellungen entwickelt sich beeindruckend.

Welche Themen werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen?

Je weiter die Digitalisierung und damit die Vernetzung von Geräten und Systemen voranschreitet, desto wichtiger wird Cybersicherheit. Als Technologie wird Künstliche Intelligenz die Produktion unserer Kunden verbessern – davon bin ich überzeugt, obwohl wir uns beim Thema KI gerade auf dem Höhepunkt der Euphorie-Phase befinden. Unsere eigenen Anwendungen zeigen das Potenzial. Jedes Digitalisierungsprojekt, das unsere Kunden heute angehen, wird ihnen morgen helfen, ganz neue Wege zu beschreiten!

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changes Titelbild 2-25 ©Endress+Hauser
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